Wer sind Otto und Herkules? 
Otto und Herkules gibt es gar nicht. Zumindest nicht als reale Personen. Die Namen stehen für zwei Gruppen von Kindern. Die „Ottos“ sind Kinder einer Grundschule im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld. Die „Herkulesse“ sind ebenfalls Kinder, die in Neuehrenfeld leben –  in einer Unterkunft für geflüchtete Menschen. Beide Institutionen, Schule und Flüchtlingsunterkunft, sind fünf Gehminuten voneinander entfernt. Die Schule befindet sich in der Ottostraße, die Unterkunft in der Herkulesstaße. Otto und Herkules sind also Nachbarn.

Die kleinen und großen „Ottos“ (Kinder, Eltern, Mitarbeiter der Schule) gehen mit offenen Augen und Ohren durch ihr Wohnviertel. Neue Nachbarn werden durch Willkommensinitiativen begrüßt, die Medien berichten viel über Menschen auf der Flucht. Immer öfter werden die „Herkulesse“ ins Zentrum des Interesses gebracht.

Die Kinder stellen viele Fragen:
– Wer wohnt denn da in diesem großen Haus?
– Wo kommen die Menschen her?
– Warum mussten sie fliehen?
– Sind die Menschen dort arm? Haben sie etwas zu Essen?
– Was machen die Kinder den ganzen Tag? Gehen sie zur Schule?

Die Eltern wollen sich engagieren:
– Wie können wir den Geflüchteten helfen?
– Was brauchen sie? Was können wir spenden?
– An wen können wir uns wenden, wenn wir helfen wollen?

Die Pädagogen sehen es als ihre Aufgabe einen gesellschaftlichen Beitrag zur aktuellen Situation zu leisten:
– Wie können wir das Thema „Flucht“ mit den Kindern bearbeiten?
– Wie können wir es ermöglichen, dass sich verschiedene Lebenswelten begegnen?
– Wie können wir an unserer Schule ein positives Verständnis von kultureller Vielfalt und Interkulturalität etablieren?
– Wie kann sich unsere Schule öffnen für die geflüchteten Kinder, von denen wir wissen, das die meisten noch keine Schulplatzzuweisung haben?

Aus all diesen Fragen entstand die Idee für ein Projekt. Ein Projekt, das Begegnung zwischen den Kindern ermöglichen, bürgerschaftliches Engagement fördern und Bildungsinhalte vermitteln möchte. Der Kontakt zu Sozialarbeitern wurde hergestellt, ein Konzept erarbeitet, Gelder beim Bistum wurden beantragt und bewilligt. So konnte das Projekt „Otto trifft Herkules“ im April 2015 starten.

Im Vorfeld wurden die Grundschulkinder für die Begegnung mit ihren neuen Nachbarn sensibilisiert. Die Themen Kinderrechte, Kinderalltag und Flucht wurden in allen Klassen spielerisch bearbeitet, ermöglicht durch das „Eine-Welt-Netz NRW“.

Jeden Montag erhält die Grundschule in der Ottostraße Besuch von einer Gruppe von Kindern aus der Herkulesstraße. Eine Stunde lang finden zeitgleich verschiedene Angebote statt, an denen die Kinder gemeinsam teilnehmen.
Eindrücke der Grundschulkinder können Sie unserem Buch entnehmen.
Auch im kommenden Jahr werden wir das Projekt weiterführen, denn Interkulturalität wird langfristig gesellschaftliche Realität sein. Gerne möchten wir dazu beitragen, den Kindern eine offene Haltung und den Blick für das Positive der Vielfalt mitzugeben.